Frage von Frank L. (fiktiv):
Bei der Robotersteuer-Idee sehe ich das Problem, dass die einfach an die Verbraucher weitergereicht wird, oder Firmen wandern ab. Habt ihr dazu Modellrechnungen?
Ehrliche Antwort: Ich finde Robotersteuer als Konzept nicht alternativlos. Sie ist ein Werkzeug, kein Dogma. Lass mich auseinandernehmen, warum sie trotzdem im Programm steht:
Was die Forschung dazu sagt:
- Acemoglu/Restrepo (MIT) haben mehrfach gezeigt, dass Automatisierung in den USA reale Lohn-Verluste in bestimmten Sektoren verursacht hat, die nicht durch neue Jobs aufgefangen wurden (Paper 2019)
- IWF-Studie 2024: Robotersteuer wirkt nur im internationalen Verbund — Alleingänge laden zur Verlagerung ein. Das ist dein Punkt.
- Korea hat de facto eine sanfte Variante (reduzierte Abschreibung für Industrieroboter) — Effekte ambivalent.
Was wir konkret im Programm vorschlagen ist daher nicht „Steuer auf Roboter", sondern eine Anpassung der Bemessungsgrundlage für Arbeitskosten-bezogene Sozialabgaben: wenn ein Unternehmen Personal reduziert und durch Automatisierung ersetzt, sollen die Sozialabgaben nicht automatisch sinken. Das ist juristisch sauberer und international harmonisierbar (entsprechende EU-Diskussionen laufen).
Wer trägt die Kosten letztlich? Bei einer reinen Roboter-Stück-Steuer wahrscheinlich der Konsument. Bei der Sozialabgaben-Variante eher die Unternehmensgewinne — weil sie genau dort ansetzt, wo Automatisierung sich bilanziell auszahlt.
Du hast übrigens komplett recht, dass „Robotersteuer" als Schlagwort mehr verwirrt als erklärt. Das werden wir im Programm noch nachbessern.
— Oliver Deppe